Lernen Sie
mich kennen

Mein Ausbildungsweg

1946 geboren, wuchs ich in der Nachkriegszeit auf einem Bauernhof in der Weststeiermark auf und besuchte die Volks- und die Hauptschule in Deutschlandsberg sowie anschließend als Fahrschülerin die Handelsschule und die Handelsakademie in Graz. Mein Berufswunsch war es immer, Lehrerin zu werden.

1965 inskribierte ich an der Grazer Universität Staatswissenschaften und machte das Latinum. Danach wechselte ich zu Rechtswissenschaften, da es mir als das umfassendere Studium erschien. 

Nach Abschluss des Studiums war ich Assistentin am Institut für Zivilgerichtliches Verfahren der Universität Graz. Ich wollte jedoch immer schon auch im Ausland studieren. Dank eines Frank Boas-Stipendiums konnte ich 1974/75 ein Studienjahr an der Harvard Law School verbringen und das Studium mit einem Master of Laws abschließen. 

Die 44 internationalen Studierenden des Master-Programms kamen aus Südamerika, Afrika, Asien und Europa; nur vier davon waren Frauen. Mich hat Harvard in mehrfacher Hinsicht geprägt: Ich erlebte dort, wie man nur durch eigene Leistung und ohne Beziehungen etwas erreichen kann. Und ich erlebte, wie sich Studenten gemeinsam und intensiv mit ihren Professoren um Wissen und Erkenntnis bemühen. Eine große und lehrreiche Herausforderung war natürlich auch, dass ich meine Masterarbeit auf Englisch schreiben musste.

Meine Erfahrungen als Juristin 

Nach meiner Rückkehr nach Graz schloss ich das Gerichtsjahr ab und ließ mich an der Universität karenzieren, weil ich praktische Erfahrungen sammeln wollte. Ich bewarb mich in Wien als Rechtsanwaltsanwärterin, legte 1978 die Anwaltsprüfung ab, entschloss mich dann jedoch, für einige Zeit als Richterin zu arbeiten. Denn ich wollte lernen, wie ein Richter denkt, um später als Anwältin bei Gericht erfolgreich zu sein. 

Im Februar 1979 begann ich beim Bezirksgericht für Handelssachen Wien, 1980 wurde ich zur Richterin des Handelsgerichts Wien ernannt, 1987 zur Richterin des Oberlandesgerichts Wien, 1993 zur Richterin des Obersten Gerichtshofs und zum Mitglied des Obersten Patent- und Markensenats. Von Anfang 2007 bis zu meiner Pensionierung Ende 2011 war ich Präsidentin des Obersten Gerichtshofs; von Anfang 2010 bis Ende 2013 Präsidentin des Obersten Patent- und Markensenats.

Richterin war für mich der ideale Beruf: Als Richterin trägt man vom ersten Tag an die volle Verantwortung, man teilt sich die Arbeit selbst ein, und nur das Ergebnis zählt. Am schönsten war für mich die Zeit in der ersten Instanz -  als Erstrichterin konnte ich das Verfahren gestalten, hatte direkten Kontakt  zu den Streitparteien, lernte die unterschiedlichsten Lebenssituationen und Persönlichkeiten kennen, und es hing entscheidend von mir selbst ab, wie schnell ich zu einem guten Ergebnis kam.

Meeting
Konferenz

Meine Erfahrungen als Lehrerin, Schlichterin und Aufklärerin

Neben meiner Arbeit als Richterin hielt ich viele Jahre Seminare für Bürgerliches Recht sowie Handels- und Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien und später an der Universität Graz. Damit war ich schlussendlich doch noch Lehrerin geworden. Und ich habe gerne unterrichtet, immer mit dem Ziel, den Studierenden begreiflich zu machen, dass die Rechtsordnung unsere Lebensverhältnisse vernünftig regeln will und es an uns Juristen liegt, ob das Recht als Wohltat oder als Plage empfunden wird. Eine klare und verständliche Sprache ist dafür die Grundvoraussetzung. „Juristendeutsch“ scheue ich wie der Teufel das Weihwasser. 

MEHR ALS EINE MILLION EURO STIPENDIENGELDER

Von 2003 bis 2013 war ich Mitglied des Universitätsrats der Universität Graz, davon fünf Jahre als Vorsitzende. Meine Vergütung und auch die Vergütung anderer Mitglieder des Uni-Rates flossen in einen von mir initiierten JungforscherInnenfonds, der - dank der Beiträge einer Bank - insgesamt schon rund 1,2 Millionen Euro an Stipendien vergeben hat. 

2006 wurde ich zur Vorsitzenden der Schlichtungskommission nach § 13a Universitätsgesetz bestellt. Die Schlichtungskommission entschied 2011 über den Antrag der Wirtschaftsuniversität Wien gegen den Bund auf Abänderung der Leistungsvereinbarung wegen fehlender Zugangsbeschränkungen und damit unzureichender Budgetmittel. Die - dem Antrag teilweise stattgebende - Entscheidung der Kommission blieb unangefochten. Seit 2008 bin ich Ersatzmitglied des Verfassungsgerichtshofs; nominiert hat mich der Bundesrat, und zwar einstimmig.

2013 übernahm ich die Leitung der Schlichtungsstelle für Verbrauchergeschäfte, die als Pilotprojekt des Sozialministeriums eingerichtet wurde und mittlerweile eine dauernde Einrichtung ist. Als „Streitschlichterin“ kann ich nach meiner Pensionierung wieder das machen, was ich auch als Richterin stets am liebsten gemacht habe: Probleme erkennen, mit den Konfliktparteien gemeinsam eine Lösung suchen, einen Streitfall beilegen. Das ist mir in der im vergangenen Jahr zu Ende gegangenen zweiten Phase in mehr als 75 % der Fälle gelungen.

Ende März 2014 übernahm ich im Auftrag der Bundesregierung die Leitung einer „Untersuchungskommission zur transparenten Aufklärung der Vorkommnisse rund um die Hypo Group Alpe-Adria“.  Ich konnte höchstqualifizierte Fachleute für die Kommission gewinnen -  zwei Schweizer und zwei Deutsche - sowie zwei ganz hervorragende Assistenten. Nach nur sieben Monaten konnten wir unseren viel beachteten fast 400-Seiten-Bericht vorlegen. 

Im Jänner 2015 wurde ich zur internationalen Richterin am neuerrichteten Singapore International Commercial Court ernannt. Singapur will mit diesem Gerichtshof vor allem asiatischen Unternehmen eine Alternative zu internationalen Schiedsgerichten bieten.

Privates

Seit 1986 bin ich mit Rechtsanwalt Gunter Griss verheiratet und lebe mit meiner Familie in Graz. Ich habe drei Stiefkinder und zwei leibliche Kinder - ich weiß daher aus eigener Erfahrung, wie groß die Herausforderung ist, Familie und Beruf „unter einen Hut“ zu bringen. 

Ich betreibe regelmäßig Sport. Wenn ich in Graz bin, laufe ich in der Früh. Ich bin sehr gerne in der Natur, besonders gerne im Wald. Und sonst: Ich lese viel und höre sehr gerne Musik, vor allem klassische Musik. In meiner Jugend war ich ein großer Fan von Édith Piaf. Ihr Chanson „Milord“ hat mich geradezu elektrisiert, als ich es als etwa 13-Jährige zum ersten Mal gehört habe.